Wenn ich einen Gedanken habe, muss ich ihn aufschreiben. Da bin ich recht spontan. Als ich mein Geburtstagswochenende nachbereitete und die Karten und WhatsApp-Nachrichten las und nach den passenden Antworten in mir forschte, entsprang in mir die Frage: Was ist Glück?
Es ist beileibe keine neue Frage. Für mich hat sie eine momentane Relevanz bekommen. Dabei ging der Gedanke weiter: Wie kommt es zum Glück? Und ebenso: Wie wirkt Glück?
Einige Menschen könnten nun meinen: „Das ist doch sehr verkopft.“
Zurück zu den Glückwünschen. Mein Fest fand in unserem Haus statt, und es kamen viele Menschen, die sich gedankliche und finanzielle Mühe gemacht und Aufwand betrieben haben, um ein zu mir passendes Geschenk zu besorgen. Auch die Karten zu schreiben ist Mühe. In der Antwort an meine Patenkinder wollte ich die richtigen Worte finden. Und mit einem Mal kam die Frage hoch:
Was ist Glück?
Sie kennen diese Wortverbindungen: „Da hast Du aber Glück gehabt!“ oder „Mensch, Du hast aber Glück.“ oder „Dem Glücklichen gehört die Welt.“ oder „Glück ist Zufall.“ oder „Glück lässt sich erarbeiten.“ oder „Glück ist nur eine Momentaufnahme.“ oder „Ich habe nie Glück.“ oder „Glück ist eine genetische Veranlagung.“ oder „Es gibt kein Glück.“
Ich habe meine Tendenzen, wenngleich ich auch denke: Jeder dieser Gedanken findet in einem bestimmten Kontext seinen Platz.
Wie wirkt Glück?
Die Empfindung ist eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Ich konnte in dem Moment der Erkenntnis das Glück in meinem Körper spüren – als ich die eine Karte las. Der Gedanke entsprang aus dem, was ich an diesem Wochenende gesehen und gehört hatte: die vielen Momente, den spontanen Einsatz von Gästen für kleinere Aufgaben und vieles mehr. Und aus dem Feedback, dass sich die Menschen wohlgefühlt haben, dass angeregte Gespräche stattfanden, viel gelacht wurde und auch mal geschwiegen wurde. Und dass mein Mann und ich ein Team sind, auf das man sich auch in solchen Momenten verlassen kann.
In Momenten des Glücks sieht mir ein Mensch das auch an.
Wie kommt es zu diesem Glück?
Wenn Sie schon einmal einen Persönlichkeitstest gemacht haben, ist Ihnen diese Frage begegnet: Fällt es Ihnen leicht, neue Kontakte zu knüpfen? Oder haben Sie viele langjährige Freundschaften? Das fiel mir beim Schreiben ein. Beides ist für mich möglich – und beides hat für mich mit Glück zu tun.
Manchmal treffe ich auf fremde Menschen, mit denen ich in ein angeregtes Gespräch komme. Die Personen tragen zum Erleben bei. Ist Ihnen das auch schon so gegangen, dass Sie wohlgestimmt aus diesem Gespräch gegangen sind?
Glück begegnet mir aber nicht nur im Privaten.
Manchmal habe ich weniger Glück, wenn es nicht zu einem Auftrag kommt. Glück meint hier weniger das Wohlbefinden, sondern das Eintreten eines Ergebnisses nach zuvor unternommenem Aufwand. Kommt es nicht dazu, liegt es manchmal am Timing, daran, dass jemand anderes günstiger war, die Inhalte nicht passten, mein Gegenüber keine Zeit hatte oder mir die inspirierende Frage fehlte. Hat das mit Glück zu tun? Im ersten Moment nicht – doch je nach weiteren Aktivitäten oder Ereignissen kann ich mir ein Glücksgefühl erarbeiten. Das werte ich dann als Erfolg.
Das Mindset prägt das Handeln.
Gerade langjährige Freundschaften sind für mich eine Form von Glück. Sie entstehen selten über Nacht. Sie wachsen durch gemeinsame Erlebnisse, durch Verlässlichkeit, durch das ehrliche Interesse aneinander – und durch die Bereitschaft, Raum zu lassen und da zu sein, wenn es passt. Dass Menschen, die ich seit Jahren kenne, zahlreich an meinem Geburtstag erschienen sind oder an mich gedacht haben, Karten geschrieben und Worte gefunden haben, die mich wirklich berührt haben – das ist für mich nicht selbstverständlich.
Ich glaube: Glück ist beides – ein Geschenk des Moments und das Ergebnis von dem, was man sät. Erarbeiten lässt es sich. Erzwingen nicht – denn wer kann einen anderen Menschen so lenken, dass dieser dabei wirklich Glück empfindet?
Wohin tendieren Sie?