Das Ich im Wir: Wie Zusammenarbeit gelingt, wenn sich alles verändert
Teams arbeiten in den meisten Bereichen anders als noch vor wenigen Jahren. Die hybriden Arbeitsmodelle sind in Unternehmen der Alltag, es gibt mehr Projektarbeit mit Schnittstellen, die Arbeitsweise ist digitaler und mit hohen Zielerwartungen verknüpft – und mittendrin Menschen, die unterschiedlich sind. Die einen sind schneller, die anderen gründlicher. Die einen sind jung im Job, die anderen seit zwanzig Jahren dabei. Die einen zeigen viel Einsatz nach außen, die anderen arbeiten leise und zuverlässig im Hintergrund. Die einen sind laut, die anderen brauchen Raum, um überhaupt zu Wort zu kommen. Die einen sind gewöhnt, mit Menschen direkten Kontakt aufzunehmen, die anderen bevorzugen lieber das digitale Medium.
Diese Unterschiede sind nicht neu. Sie waren schon da, bevor von New Work die Rede war – und sie wurden verstärkt und werden bleiben, wenn die künstliche Intelligenz in den Alltagen etabliert ist. Die Antwort auf die Frage: Wie zukunftsfähige Zusammenarbeit in der komplexen Arbeitswelt für das eigene Unternehmen gelingt? zu finden, ist deshalb sinnvoll.
Aus eigenem beruflichem Wirken weiß ich, wie sich das im Alltag anfühlt: zunehmend digital zu arbeiten, sich selbst einzuarbeiten mit Werkzeugen, die ich nicht kenne und den Spirit von Teams zu fühlen. Ich habe den positiven Spirit in einem interdisziplinären Team genossen – wenngleich die Zusammenarbeit der Persönlichkeiten verschiedene Ansätze brauchte und manchmal sogar schwierig sein konnte. Wie die Führung einen großen Einfluss auf diesen Spirit und die Erfolge nahm. Genau aus solchen Erfahrungen heraus ist meine Überzeugung gewachsen, dass gute Zusammenarbeit kein Selbstläufer ist.
Was Künstliche Intelligenz verändert – und was nicht
In der Presse, Studien und Gesprächen ist künstliche Intelligenz präsent. Dabei ist es im sprichwörtlichen Sinne ‚keine Sau, die durchs Dorf getrieben wird‘. Softwarefirmen haben diese ‚Black Boxen‘ in die Welt gebracht und wir Menschen nutzen sie im Privaten laut OECD/Eurostat und beruflich laut Institut für Information und Forschung (IFO)/Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die maschinelle, künstliche Intelligenz wird bleiben. Ohne dass wir heute wissen, was dabei herauskommt. Unternehmerisch gesehen: Die Geschwindigkeit der Nutzung von künstlicher Intelligenz hat sich seit 2018 etwa um das Fünffache auf 20 Prozent erhöht laut der KfW-Studie vom 11. Februar 2026. Laut der Studie von KPMG vom 27.06.2026 sagen 78 % des Mittelstandes, dass KI einen noch höheren Einfluss auf das Geschäft haben wird. 98 Prozent der Unternehmen bewerten KI inzwischen als relevant für Geschäftsmodell und Wertschöpfung (2024: 56 Prozent).
Das Mindset bestimmt.
Der KfW-Studie vom Februar 2026 zufolge sind die Unternehmen, die sich in Ihrem Geschäftsmodell mit Daten beschäftigen in der KI-Nutzung vorne. Für sie ist die Umsetzung der KI-Werkzeuge einfacher: sie sind an IT in der Arbeitsweise gewöhnt und die Anzahl der Führungskräfte hat ein KI-förderliches Mindset.
Kleinere oder inhabergeführte Betriebe ohne diese gewohnte Denkweise tun sich insofern schwerer, weil das Werkzeug eine zu Beginn intensivere Beschäftigung braucht und oft das Vorwissen fehlt. Sich mit diesem gefühlten Themenberg nach einem vollen Arbeitstag zu beschäftigen, fällt schwer.
Es gibt in der Führung eine große Lücke. Zitat aus der KPMG-Studie ‚Generative KI in der deutschen Wirtschaft‘: „Nur in 39 Prozent der Unternehmen werden die Strategien aktiv durch das Top-Management gesteuert.“ Befragt wurden 480 Entscheider:innen aus unterschiedlichen Branchen.
Was können Sie trotzdem tun? Planen Sie deshalb in Ihren normalen Arbeitsalltag die Beschäftigung mit dem Verstehen, Verwenden von KI und ihren Einflüssen ein. In der ‚Eisenhower-Sicht‘ ist es der vernachlässigte Quadrant B. Er ist der Bereich, der Ihr Unternehmen nach vorne bringt.
In der Dringlichkeit den eigenen Weg gehen.
Die Einordnung für das eigene Geschäft und inhaltliche Auseinandersetzung im Ausprobieren wird zwingend. Geben Sie sich die Priorität auszutesten beispielsweise, indem Sie ein kleines Fokusteam einsetzen, dass die zeitliche Freiheit bekommt, nach Anwendungsfällen zu suchen und Systeme zu testen. Für Angebote oder ähnliches. Und fragen Sie Ihre Mitarbeitenden, wie sie künstliche Intelligenz in ihrem privaten Alltag nutzen. Es geht dabei, um den ersten Schritt sich ins Spielfeld zu begeben und den Ball aufzunehmen. Suchen Sie Ihren eigenen Weg, aber gehen sie ihn.
Digitales Arbeiten ist und KI wird mehr und mehr ein Wertschöpfungsfaktor und nimmt Einfluss auf die Zusammenarbeit von Teams. Sie merken das möglicherweise durch das Homeoffice.
Zusammenarbeit ist eine Fähigkeit
Es klingt möglicherweise banal, ist aber einer der häufigsten blinden Flecken in Unternehmen: Wenn Menschen gemeinsam an einem Projekt arbeiten, passiert es, dass es unterschiedlich motiviert getan wird.
Was KI nicht verändert ist, dass in jedem Team Menschen mit unterschiedlichem Tempo, unterschiedlicher Erfahrung, unterschiedlichem Auftreten zusammenarbeiten. Eine neue Software löst nicht, dass der eine ungeduldig wird, wenn der andere länger braucht. Sie löst nicht, dass leise Beiträge im Meeting untergehen, während laute dominieren. Im Gegenteil – wenn Routinearbeit wegfällt und in der Projektarbeit mehr ausgetauscht werden muss, werden diese menschlichen Unterschiede sichtbarer.
Das bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sein müssen. Es bedeutet, dass jeder Einzelne versteht, wie das eigene Ich Teil eines Wir wird – nicht als Selbstaufgabe, sondern als bewusste Entscheidung für gemeinsames Arbeiten auf ein geteiltes Ziel hin.
KI kann Aufgaben erleichtern, abnehmen oder verdichten – es ist real. Wie die Mitarbeitenden sich unterstützen, das Werkzeug nutzen und Wissen teilen fördert die Stabilität des Unternehmens.
Wo es in der Praxis hakt
Im Training und Coaching begegnen mir wiederkehrende Muster. Rollen sind unklar – oder auf dem Papier definiert und im Alltag anders gelebt. Erwartungen werden nicht ausgesprochen, sondern stillschweigend vorausgesetzt. Die Verantwortung wird abgelehnt oder an einer Stelle zu stark gebündelt.
Und dann sind da die Unterschiede zwischen den Menschen selbst, die ich eingangs beschrieben habe. Schnellere Kolleginnen, die ungeduldig werden. Erfahrene Mitarbeitende, die sich von neuen Methoden übergangen oder gar überfordert fühlen. Wer viel Einsatz zeigt, fühlt sich von denen ausgenutzt, die zurückhaltender wirken. Und wenn es schwierig wird, fehlt die Fähigkeit, es offen anzusprechen, ohne dabei zu verletzen oder es so aufzunehmen. Es passiert im Alltag in Unternehmen oder Organisationen – auch in gut geführten.
Zusammenarbeit ist eine Fähigkeit, die Sie aktiv gestalten. Sie braucht Aufmerksamkeit, Vereinbarungen, Vertrauen und die Bereitschaft, immer wieder zueinanderzufinden für die Sache.
Woran ich mit Teams arbeite
Im Wirkungsfeld Zukunftsfähige Zusammenarbeit setze ich an Stellschrauben an, die im Alltag den Unterschied machen. Dazu gehört zunächst Rollen- und Erwartungsklarheit: Wer weiß, was von ihm erwartet wird und was er von anderen erwarten kann, arbeitet sicherer und reibungsärmer. Eng damit verbunden ist eine Verantwortungskultur – wie verstehen wir in unserem Unternehmen Verantwortung?
Ebenso wichtig sind gemeinsame Arbeitsprinzipien, auf die sich ein Team bewusst verständigt – als akzeptierte Orientierung. Wichtiger Teil dabei ist der ehrliche Blick auf die Teamdynamik: Wie gehen wir miteinander um, wenn es gut läuft? Und wie, wenn der Druck steigt? Wer bin ich im Team? Wie können sich Menschen ein Feedback geben, das die Entwicklung im Blick hat? Feedback ist wie ein Muskel, an dem Zusammenarbeit wächst.
Die Atmosphäre im Team zeigt sich daran, wie der soziale Austausch und die Wahrnehmung zwischen den Menschen gelingen – beispielsweise beim Einhalten von Zusagen, bei der Weitergabe von Arbeiten oder beim Äußern abweichender Ansichten. Wie ist die psychologische Sicherheit im Team? Menschen, die sich sicher genug fühlen, Fehler anzusprechen, Fragen zu stellen oder eine abweichende Meinung zu äußern, tragen mehr bei. Sie sind mutiger, lösungsorientierter und belastbarer. Psychologische Sicherheit ist kein Wohlfühlthema – sie ist die Grundlage für Teamresilienz und eine gelebte Konfliktfähigkeit. Wenn Tempo, Erfahrung und Auftreten im Team unterschiedlich verteilt sind wie eingangs beschrieben, entscheidet psychologische Sicherheit darüber, ob diese Unterschiede zur Stärke werden – oder zur Dauerreibung. Bin ich mit meinem ICH bereit, im WIR zu sein?
Warum zukunftsfähige Zusammenarbeit nicht isoliert steht
Zukunftsfähige Zusammenarbeit hängt eng mit den anderen Wirkungsfeldern zusammen: Ohne transparente Kommunikation bleibt Zusammenarbeit an der Oberfläche. Ohne tragfähige Entscheidungen fehlt die gemeinsame Richtung. Ohne den Willen zur Umsetzung bleiben Vereinbarungen folgenlos. Die Felder bedingen einander – deshalb betrachte ich sie in meiner Arbeit nie völlig losgelöst voneinander.
In der Teamarbeit ist es wirksam, nach gewisser Zeit zu reflektieren und zu fragen: Wie wollen wir zusammenarbeiten – bei allem, was uns unterscheidet, und bei allem, was sich gerade durch neue Werkzeuge verändert? Wer diese Frage ernst nimmt und gemeinsam beantwortet, legt das Fundament für den Teamerfolg. Sie braucht die menschliche Fähigkeit in Geduld und offen zu bleiben für das Interesse am anderen in der Sache; und der wohlsprechenden KI-Sprache mit professionellem Abstand zu begegnen.
Im nächsten Beitrag geht es um ein Thema, das eng mit Zusammenarbeit verknüpft ist: Tragfähige Entscheidungen in der Abteilung, im Team – um das Zustandekommen und das Umsetzen.
Nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf über die eingebundene Kontaktmöglichkeit.
#Zusammenarbeit #Teamgesundheit #KMU #künstliche Intelligenz #